Friedensgedenkstätte

Die Friedensdenkmäler von Erlauf

Erlauf, eine Marktgemeinde mit ca. 1100 Einwohnern, liegt am Unterlauf des gleichnamigen Flusses, kurz vor dessen Mündung bei Pöchlarn in die Donau. Neben der Bundesstraße 1 führt auch die Westautobahn durch das Gemeindegebiet (Abfahrt Pöchlarn). In den letzten Kriegstagen im Mai 1945 zogen auf der Bundesstraße schier endlose Flüchtlingskolonnen Richtung Westen, ehe Panzer und Droß das Land befreiend besetzten. Das Haus Erlauf 101 war damals eines der neuesten im Ort und gehörte dem NS-Bürgermeister. Die Offiziere machten es kurzerhand zu ihrem Armeehauptquartier. Das Eintreffen der Roten Armee verstärkte Angst und Verzweiflung der Zivilbevölkerung, die Militärs aber hatten Grund zur Freude: Die Deutsche Wehrmacht hatte kurz vorher kapituliert und die sowjetischen Offiziere der 7. Fallschirmjäger-Garde holten ihre amerikanischen Kameraden der 65. Infanterie-Division von der Enns an die Erlauf und feierten gemeinsam am 8. Mai 1945 um 24 Uhr das Ende des bislang schlimmsten Krieges in Europa.
Generäle Reinhard und Dritschkin
Der Ort der Begegnung der Kommandierenden war in den Räumen, die heute als Archiv des Friedensmuseums eingerichtet sind. Der damals sehr junge Offizier John J Pullen gehörte am 7. Mai 1995 zur amerikanischen Delegation, er konnte sich noch an die Räume erinnern. Die Gemeinde hat 1992 das Haus gekauft, um- und ausgebaut. Von der verängstigten Erlaufer Bevölkerung wußten damals nur wenige von der Anwesenheit der vielen Offiziere. Es konnte sich sicher auch niemand vorstellen, dass nach den fürchterlichen Jahren in dieser Nacht ein dauerhafter Friede beginnen wird.

Ein Friede, der stabile politische Verhältnisse, die verbunden mit unermüdlichen Fleiß der Menschen, die Basis für ein reiches Österreich schufen. Im Jahre 1959 fanden aus Erlauf stammende jüdische Emigranten in Amerika Unterlagen über das historische Treffen. Sie schickten die Dokumente an den früheren Jugendfreund Franz Stangler nach Erlauf. Der sehr orts- und heimatverbundene Landtagsabgeordnete Stangler sammelte die Unterlagen und initiierte die Gedenktafel am Haus, die am 8. Mai 1965 von Verteidigungsminister Prader feierlich enthüllt wurde. Nach dem Amtsantritt von Bürgermeister Ing. Franz Kuttner war am 8. Mai 1985 der erste Festakt der NÖ Landesregierung mit LH Ludwig anlässlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes. Ab dieser Zeit wurde es für die Erlaufer ein Ziel, aus diesem geschichtlichem Faktum, der Hoffnung auf einen dauernden Frieden verbunden mit einer kulturellen Ausdrucksform, eine Identifikation für Erlauf zu finden.

Soldaten Historisches Treffen 25. April 1945

Historisches Treffen 25. April 1945

Enthüllung der Gedenktafel 1965

Enthüllung der Gedenktafel 1965